Fechten

Das Erlernen des akademischen Fechtens

Sicher hast Du in den Medien schon viel Bizarres vom Fechten mit scharfen Waffen gehört. Diese Angst möchten wir Dir nehmen. Nicht weil unsere Burschenschaft fakultativ schlagend ist und nur das Erlernen von Dir fordert. Es geht vielmehr darum, den tieferen Sinn und die Tradition des akademischen Fechtens die dahinter steckt zu verstehen (zur Mensur siehe Erläuterungen unten). Gerade die Mensur ist eine spezifische studentische Eigenart, die man nur an Hochschulen in Mitteleuropa (Deutschland, Österreich, Baltikum, teilweise in Flandern und Polen) vorfindet und somit etwas ganz Besonderes und Intensives darstellt. Denn „Bungee-Jumping”, „free-climbing” oder andere Extremsportarten kann jeder erlernen, das akademische Fechten, welches sich deutlich vom Sportfechten unterscheidet, aber nicht. Dafür haben wir einen ausgewiesenen Fechtmeister, der auf die sogenannte „Fechtreife“ vorbereitet. Gesundheitsschäden brauchst Du nicht zu fürchten, da die Mensur nach bestimmten Regeln (studentisch: „Comment“) verläuft und Du durch eine gute Ausrüstung geschützt bist. Die Mensur ist somit die einzige heute noch existierende gepflegte Form eines ritterlichen Zweikampfs.

Diejenigen, die eine Mensur geschlagen haben, möchten das Erlebnis – die „Überwindung des inneren Schweinehunds“ – nicht missen. Es ist halt ein Hobby nicht für jeden – und daher kann bei uns jeder selbst entscheiden, ob er es möchte oder nicht.

Aufwärmübungen vor der Mensur

Historisches zu Mensur und Duell:

„Die noch im 18. Jahrhundert unter Studenten ausgetragenen „unkontrollierbaren Raufhändel“ wurden durch ein fortschrittlicheres Duell- und Mensurwesen im Jahrhundert darauf abgelöst. Damit sollten lebensgefährliche Verletzungen vermieden bzw. eingedämmt werden. Mensur und Duell liefen nun nach bestimmten Regeln ab. Der Gebrauch der Waffe wurde zivilisierter. Der tiefere Sinn der Ausdifferenzierung von Mensur und Duell zwischen 1850 und 1880 ist die Satisfaktion. Darunter versteht man die Wiederherstellung der Ehre durch einen Zweikampf. Die Ehrverletzung konnte nur mit schweren Waffen (Säbel, Degen, Pistole), wozu der Beleidigte seinen Gegner herausforderte, verteidigt werden. Als satisfaktionsfähig galten nur Studenten, Akademiker, Offiziere und Adelige. Da somit nicht jeder zur Teilnahme an diesem Ritual berechtigt (= satisfaktionsfähig) war, war das Satisfaktionsprinzip Ausdruck eines elitären Standesdenkens und ein Selektionskriterium, um sich nach unten abzugrenzen. Studenten, die sich einer Duellforderung entzogen, wurden sozial isoliert und galten als unehrenhaft.

Mensurkneipe 1931

Ein Duell kam dann zum Austrag, wenn ein Ehrengrund vorlag. Die Mensur – eigentlich Bestimmungsmensur – wird hingegen durch eine Verabredung zwischen den Korporierten oder ihren Verbindungen „bestimmt“. Nur „Kontrahagemensuren“ gehen auf eine Ehrverletzung zurück. Die Mensur – lat. Abmessung – rührt von einem bestimmten Körperabstand der Paukanten, d. h. Fechter, her. In fast jeder Hochschulstadt existierten eigene Mensursatzungen – Paukcomments –, die den Ablauf der Mensur regelten. Generell wurde östlich der Elbe (u. a. Breslau, Charlottenburg, Danzig, Dresden, Freiberg) mit dem „Glockenschläger“ und westlich mit dem „Korbschläger“ als Hiebwaffe gefochten. Die Mensur dient dabei der Selbstdisziplinierung und dem „Selbstbewußtsein“. Entschlossenheit, Selbstüberwindung und Mut sich einer Mensur zu stellen, wurde als Ausdruck der Wehrhaftigkeit des Studenten gesehen und auf seine Bereitschaft, für die Verteidigung des Vaterlandes einzutreten, übertragen. Gleichzeitig übernahm der Student durch die Mensur Verantwortung für seine Korporation, indem er für sie einstand. Er sozialisierte sich für seine künftige berufliche Position, die ihm Verantwortung als künftiger „Führer“ des Volkes übertrug. Weitere Faktoren, die für das Mensurritual sprachen, waren die Suche der Jugend nach Abenteuern und Nervenkitzeln und die „implizit sexuelle Konnotation“. Gerade die Mensur und der „Schmiß“ übten nach Ansicht [der Historikerin] Lynn Blattmann auf Frauen „eine große sexuelle Attraktivität“ aus und markierten „den Anfang der sexuellen Aktivitäten mit dem anderen Geschlecht.“

(zitiert aus: Grobe, Frank: Zirkel und Zahnrad. Ingenieure im bürgerlichen Emanzipationskampf um 1900 – Die Geschichte der technischen Burschenschaft, in: Oldenhage, Klaus (Hrsg.), Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 17, Heidelberg 2009, S. 142 ff.)

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